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Samstag, 5. April 2014


Liebe Freunde und gar nicht so liebe Feinde,

zur Zeit wandern im Netz bewußt gefälschte Zitate aus DEUTSCHLAND VON SINNEN. Diesen hier hat ein gewisser Björn Casapietra in die Welt gesetzt:

"Deutscher Schwuler! Deine Homo-Ehe ist trotzdem ein Witz. Und peinlich! Die Ehe ist für Mann und Frau zum Zwecke des Kindermachens in geordneten Verhältnissen erfunden worden und nicht für solche promiskuitive Typen wie dich, die sich fast jeden Tag von einem objektartigen Fremden einen blasen lassen anstatt von ihrem "Ehepartner". Also tritt wieder in den Schatten zurück!"

Das steht aber gar nicht im Buch. Diese gefaketen Zitate sollen dazu dienen, AMAZON und Konsorten dazu zu bewegen, das Buch aus dem Sortiment zu nehmen, und mir empfindlich zu schaden. Wenn ihr solche Zitate irgendwo sieht, vergleicht sie bitte mit dem Original, bevor ihr euch darüber aufregt. Soviel Neid habe ich in meinem ganzen Leben nicht erfahren. Und ich dachte, ich kenne die Menschen …

Liebe Grüße!
Akif

Mittwoch, 2. April 2014



Liebe Freundinnen und Freunde,
Was ich heute erlebt habe, geht in keine Kuhhaut. Es geht darin nicht um mich, und es liegt mir auch fern, mich wichtig machen oder dadurch mein Buch verkaufen zu wollen. Das müßt ihr mir glauben. Nein, es dreht sich darum, wie in diesem einst so freien Land inzwischen mit Meinungsfreiheit umgegangen wird. Und wie deren Zukunft aussieht.

Wie ihr wißt, war ich anläßlich des Erscheinens von
DEUTSCHLAND VON SINNEN heute zum ZDF MITTAGSMAGAZIN eingeladen. Man empfing mich mit herzlicher Gastfreundschaft und verköstigte mich fabelhaft. Die Moderatorin Frau Susanne Conrad kannte ich von früher, denn ich war in der Sendung vor etwa acht Jahren schon einmal eingeladen. Ich darf versichern, daß diese hyperfreundliche Frau mit ganz großem Herz ebenso wie ich das Opfer des später abgelaufenen Schmierenstücks geworden ist. Ursprünglich sollte das Interview 15 Minuten dauern – daraus ist dann allerdings ganz fix acht Minuten und noch was geworden. Das hatte einen bestimmten Grund. Man dachte wohl, daß ich live und vor aller Welt Augen den gezähmten Akif geben würde, der leise zurückrudert und sein eigenes Buch relativiert. Leider bekamen sie aber den Akif, der auch im Buch steht, und ich feuerte eine Salve nach der anderen ab.

Ich wunderte mich, weshalb das Interview so schnell vorüber war, da beugte sich Frau Conrad zu mir und sagte, daß sie währenddessen über den Mann in ihrem Ohr von der Regie ständig die Aufforderung bekam: „Abwürgen! Abwürgen! Abwürgen! …“ Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, wie sehr das Staatsfernsehen von diesen grün-rot versifften Wichsern beherrscht wird, hier wäre er!

Die Komödie ging aber noch weiter. Während ich schon Sekunden später auf mein Handy zirka 1000 Mails von Zuschauern bekam, in denen sie mir gratulierten und meinen Ansichten recht gaben, informierte man mich, daß das Interview aus der Mediathek einfach entfernt worden wäre. Ich habe bis dahin so etwas in Deutschland nicht für möglich gehalten. Im Gegenteil, ich habe davor über Verschwörungstheoretiker immer gelacht. Natürlich weiß ich, daß die Öffentlich Rechtlichen von der Politik jeden Tag durchgefickt werden wie eine Nutte in ihren besten Jahren. Aber normalerweise selektierte man bis dato die Gäste so, daß sie in das jeweilige Konzept paßten. Eine direkte Zensur gab es im deutschen Fernsehen nicht.

Falsch gedacht! Es gibt bei den Öffentlich Rechtlich also doch die hammerharte, primitive Zensur. Schämt euch! Als dann wohl das ZDF mit Protestmails und –Anrufen zugeschissen wurde, stellte man das Interview doch wieder in die Mediathek – allerdings um die brisanten Stellen geschnitten (die ungeschnittene Version ist auf
You tube zu sehen). Man könnte sich kaputtlachen, wenn es nicht so traurig, ja auch bedrohlich wäre.

Zudem rief mich mein Verleger an und informierte mich, daß der Buchhandel massiven Widerstand leisten würde, das Buch zu verkaufen, geschweige denn in Stapeln auszulegen. Überall und allüberall sind die sozialistisch totalitären Soldaten unterwegs. Aber – es wird leider nix nützen. Das Buch ist jetzt schon der Verkaufsknaller des Jahres. Einzig und allein weicht AMAZON nicht vom toleranten Weg ab und liefert weiter. Bravo, du Kapitalist!

Zum Schluß danke ich euch sehr, daß ihr an das ZDF geschrieben oder dort angerufen habt. Man darf denen das einfach nicht durchgehen lassen – sonst tun sie es wieder und wieder, und ehe man sich versieht, sitzen wir in einer neuen DDR.

Ich grüße euch alle!
Akif

Dienstag, 1. April 2014

 
Anläßlich des Erscheinens von DEUTSCHLAND VON SINNEN trete ich morgen um 13 Uhr in ZDF MITTAGSMAGAZIN auf. Fasten your seatbelts!

Sonntag, 30. März 2014

Donnerstag, 20. März 2014

Samstag, 1. März 2014

 
In zweieinhalb Wochen ist es soweit
 
 
mein erstes Sachbuch erscheint:
 
Deutschland, deine Feinde ... Muß sich Deutschland noch vor Feinden fürchten, wenn nicht einmal die Deutschen seine Freunde sind? Akif Pirinçci rechnet ab mit Gutmenschen und vaterlandslosen Gesellen, die von Familie und Heimat nichts wissen wollen, mit einer verwirrten Öffentlichkeit, die jede sexuelle Abseitigkeit vergottet, mit Feminismus und Gender Mainstreaming, mit dem sich immer aggressiver ausbreitenden Islam und seinen deutschen Unterstützern, mit Funktionären und Politikern, die unsere Steuern wie Spielgeld verbrennen. Der in Istanbul geborene Bestsellerautor hat sein erstes Sachbuch geschrieben, einen furiosen, aufrüttelnden und brachialen Wutausbruch. Mit heiligem Zorn bekämpft er eine korrupte, politisch korrekte Kaste, die nur ihre eigenen Interessen verfolgt. "Deutschland von Sinnen" ist geschmiedet aus reinem Zorn, ein mutiges Unikat, das seinesgleichen sucht. Es ist der Aufschrei eines Rufers in der Wüste, der sein geliebtes Mutterland am Abgrund sieht. Vielleicht ist es das letzte Buch seiner Art, denn das meinungspolitische Zwangskorsett wird täglich enger.
 
Jetzt vorab zu bestellen auch hier:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Dienstag, 10. September 2013

 
 
In ein paar Monaten erscheinen alle meine auf der ACHSE DES GUTEN veröffentlichten Artikel sowohl als Print-Buch als auch E-Book bei Amazon. Mit einem Vorwort Henryk M. Broder. Freut euch darauf! ...

Montag, 27. Mai 2013

 
 


Endlich als E-Book und knapp 400 Seiten für nur lachhafte EUR 3,71: ENGELSKINDER! Das Pseudonym CEDRIC ARNOLD ist abgelegt und endlich wieder unter dem ursprünglich angedachten Titel. In ein paar Tagen kommt auch das herkömmliche Taschenbuch. Beide Bücher bestellbar nur bei Amazon. Hier eine kleine Inhaltsangabe:

Jahrzehntelang hat Arthur im Schatten seines vermögenden Vaters, eines berühmten Schriftstellers, gestanden. Jetzt ist der Alte tot und Arthur steinreich. Arthur genießt sein Dolce Vita in der geerbten Villa in der Provinz, wenn ihn nur nicht immer wieder die Langeweile und sexueller Frust plagen würden. Doch dann zieht die attraktive Susi ins Nachbarhaus und findet Gefallen an Arthur, der stante pede zum liebeskranken Gockel mutiert. Was aber will so eine sexy Granate mit einem Mann, Typ Versicherungsvertreter? Dass hier etwas so gar nicht mit rechten Dingen zugehen kann, entgeht Arthur in seinem Liebeswahn. Zudem scheint sein Vater zeitlebens ein schillerndes Geheimnis gehütet zu haben, das nun allmählich ans Tageslicht sickert und sehr zwielichtige Figuren anlockt. Ehe Arthur sich versieht, ist er mittendrin in einem Schlamassel internationaler Dimension. Sein einst geruhsames Leben verwandelt sich in einen filmreifen, grotesken Kriminalfall. Und die öde deutsche Provinz immer mehr in einen gefährlichen Ort, wo nicht nur der sprichwörtliche tote Hund über dem Zaun hängt.
 

Samstag, 17. November 2012

Charles Rettinghaus liest SLAM

Charles Rettinghaus liest SLAM

 

Eines der brilliantesten Sprecher deutscher Sprache liest einen spannenden Abschnitt aus SLAM, einem gemeinsamen Literaturprojekt nach einer Idee und Story von Akif Pirincci. Der Roman ist Ende November 2012 als E-Book bei Amazon Kindle downloadbar.

SLAM
 
ES GIBT KEINE FRAUEN MEHR ...

NIEMAND KANN SICH ERINNERN, DASS ES SIE JE GEGEBEN HAT ...

HAT ES SIE ÜBERHAUPT JEMALS GEGEBEN?



Besuchen Sie Akif Pirincci auf Facebook

http://www.facebook.com/pages/Akif-Pirincci/115373015141628#!/akif.pirincci

Samstag, 20. Oktober 2012

 






SLAM kommt!
SLAM kommt!
SLAM kommt!

 




KEIN GOTT KANN SO GRAUSAM SEIN, MANN UND FRAU VONEINANDER ZU TRENNEN

KEIN GOTT KANN SO GRAUSAM SEIN, MUTTER UND KIND VONEINANDER ZU TRENNEN

KEIN GOTT KANN SO GRAUSAM SEIN, LIEBE UND LUST VONEINANDER ZU TRENNEN


ABER EINE GÖTTIN!


 Ende November 2012 als eBook bei Amazon Kindle downloadbar.

 
Im 27. Jahrhundert herrschen auf der Erde paradiesische Zustände: Die Weltbevölkerung ist auf zwei Milliarden Einwohner geschrumpft, Krieg und Gewalt kennt man nur aus verstaubten historischen Dokumenten, der Wohlstand ist atemberaubend, die Menschen arbeiten eigentlich nur noch, weil es ihnen sonst langweilig ist, mittels bahnbrechender Durchbrüche in der Medizin kann jeder bei guter Gesundheit bis zu 200 Jahre alt werden.

Und diese Welt ist lückenlos islamisch!

Bereits viele Jahrhunderte zuvor hat der Islam global gesiegt, weil auch Angehöriger anderer Religionen und Ethnien die Liebe zum einzigen Propheten und zu Allah entdeckt und verinnerlicht haben. Allerdings hat im Laufe dieser Zeit auch der Islam eine Wandlung vollzogen. SLAM, wie er jetzt heißt, ist zu reiner Spiritualität transformiert, ähnelt eher dem Wohlfühl-Buddhismus unserer Tage, und wird in gigantischen Moscheen modernster Architektur als Event und Erweckungserlebnis abgefeiert. Vor allem ist er vollkommen friedlich. Mangels wirtschaftlicher Sorgen sind die Menschen ausschließlich mit der Religion beschäftigt, von der sie sich in der Tat zu göttlichen Sphären geleitet wähnen.

Karim, ein mit Selbstzweifeln und einer seltsamen Zwangsneurose kämpfender junger Mann, arbeitet im Zentralarchiv der SLAM-Welt, ein Hort des Wissens und der Erinnerung an schreckliche Tage der Menschheit. Er ist mit Soli verheiratet, einem einfachen, aber lebensbejahenden Burschen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, und fiebert dem Empfang seines ersten Kindes entgegen. Diese werden einmal im Jahr in einer gigantischen Grotte dem jeweiligen Samenspender übergeben. Denn trotz der Himmel-auf-Erden-Verhältnisse fehlt „die andere Hälfte des Himmels“ in dieser schönen neuen Welt: Die Frauen! Und nicht allein das, alles Weibliche ist sowohl aus der Historie als auch aus dem Bewusstsein der Männer getilgt. Eva gibt es nicht mehr.

Durch einen rätselhaften Hinweis wird Karim auf eine Fährte gelockt, die nicht nur der Beginn eines fulminanten Abenteuers darstellt. Es ist zugleich der kühne Kopfsprung in ein sowohl religionsphilosophisches als auch soziobiologisches Gewässer. Der Islam wird als eine evolutionäre Fortpflanzungsstrategie seziert, dem nur unter einer Voraussetzung der Erfolg beschieden ist: die radikale Trennung der Geschlechter, die restlose Entfernung des Weiblichen.

Karim aber lässt sich von alldem nicht beirren. Seine Geschichte ist eine tour de force durch Abenteuer mit gefährlichen Bestien, spektakuläre Täuschungsmanöver und ein gnadenloser Kampf gegen ein allwissendes und unbarmherziges Programm namens Eva. Und natürlich ist sein mit vielen aufsehenerregenden Episoden versehenes Ringen auch eine Suche nach einem Wesen, das einen Mann trotz des „Himmel auf Erden“ wirklich zu erfüllen vermag: die Frau! Vielleicht existieren sie ja wirklich noch, die Frauen …

Außerhalb der SLAM-Welt …

Es scheint so …

 
 
LESEPROBE
KAPITEL 9 und 10




9

 Die anfängliche Freude darüber, dass er Licht sah, wich sofort der Angst vor dem, was er dort vorfinden würde. Seine Füße wollten schnell in das Helle, zum Leben, zu Menschen und vielleicht auch zu einem Weg, der ihn aus diesem unterirdischen Albtraum führte. Aber sein Verstand bremste ihn.
   Der Tunnel, den er seit Stunden durchquert hatte, war ihm ziemlich hoch erschienen. Die Decke hatte er im Dämmer kaum erkennen können, und das Geräusch seiner knirschenden Schritte hatte sich nach oben im Nichts verloren. Das, was sich nun vor ihm auftat, ließ diesen Tunnel wie eine lächerliche Miniatur von etwas Monumentalem erscheinen. Seine Augen benötigten einen Moment, um sich an die gleißende Helligkeit zu gewöhnen. In der Geburtshöhle hatte eine gigantische Deckenlampe für mehr als ausreichende Beleuchtung gesorgt, hier unten aber reihten sich Dutzende von ihnen aneinander und tauchten alles in ein augenblendendes Lichtmeer, vor dem nichts und niemand Zuflucht finden konnte.
   Vor ihm erstreckte sich eine Landschaft wie aus einem Traum. Auf der Fläche einer kleinen Stadt türmten sich überall Hügel von Unrat wie Vulkane, die ständig neue Lava in die sich ständig verändernde Umgebung spucken. In dieser Zwischenwelt war der Boden nicht mehr behauen und eben wie auf der Oberfläche. Die schneidende Helligkeit ließ das Terrain zu einem flimmernden Schlachtfeld werden, auf dem sich die Reste eines Krieges türmten. Karim wusste, dass es in früheren Zeiten kriegerische Auseinandersetzungen gegeben hatte. Ja, genauso musste es damals ausgesehen haben, wenn die Körper der Toten und Verletzten weggeschafft worden waren, und der einzige Verletzte, der unbehandelt zurückblieb, das Land gewesen war, aus dessen Wunden es unablässig weiterblutete.
   Verschüchtert stand er am Ausgang des Tunnels und brachte es nicht über sich, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Zu absonderlich, zu abstrus erschien ihm das, was er gewahrte. Titanische Säulen flankierten die Begrenzungen dieser Szenerie. Nische an Nische und Vitrine an Vitrine reihte sich an den skylinehohen Wänden des Riesengewölbes entlang. Vor ihnen hoben und senkten sich kleine leuchtende Plattformen mit pinzettenartigen Greifern. Sie huschten einem geheimen Fahrplan folgend zu den großen Regalwänden, hielten kurz an, um dort mit ihren dünnen Klauen etwas zu verstauen, und zogen dann weiter ihre Kreise.
   Im grellen Schein der Lampen bewegten sich mammuthafte Wesen mit träger Anmut, ja fast schwebend über den Boden. Drei lange Beine, abwärts gewachsenen Tentakeln gleich, hielten ihre violett leuchtenden Körper in schwindelerregender Höhe und manövrierten sie grazil über das am Boden Angesammelte. Über ihre organisch anmutende Oberfläche waberten Dampfschwaden.
   Eines der Wesen in seiner Nähe senkte lange, schlangenartige Auswüchse zu Boden, hob einen Gegenstand von dort auf und führte es hinauf zu seinem Körper, wo es in einem Strahl violetten Lichts für kurze Zeit gefangen schien. Anschließend setzte es sich in Bewegung. Karim folgte ihm mit seinen Blicken und konnte beobachten, wie der Gegenstand schnell den Besitzer wechselte. Mit den Fundstücken beladen, schossen die kleinen Plattformen mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Höhe, navigierten zentimeternah an der Wand entlang und hielten dann auf ein unhörbares Kommando hin vor einer der Nischen. Dort wurde das Stück deponiert, und die wilde Fahrt ging wieder zurück zur Basis, wo bereits ein neuer Gegenstand darauf wartete, in einer der Nischen verstaut zu werden.
   Zwischen den Beinen der großen Wesen sah Karim eine Art metallene Pferde auf spindeldürren Beinen warten. Ihre auf Hochglanz polierte Haut reflektierte das allgegenwärtige Licht und ließ sie funkeln wie diamantenbesetzt. Nicht alle Gegenstände, die von den violetten Riesen aus einem der vielen Stapel aufgehoben wurden, wanderten auf die Plattformen. Hier und da wurde etwas in tütenförmige Körbe geworfen, die zu beiden Seiten auf den Pferderücken befestigt waren. Von links trabte eines dieser wunderlichen Geschöpfe ins Sichtfeld von Karim. Er sprang mit einem unterdrückten Schreckenslaut in den schützenden Tunnel zurück, aber das Pferd ignorierte ihn und trabte klackernd und mit einem hochfrequenten Sirren an ihm vorbei auf einen der Mammutschreiter zu. Dort tänzelte es kurz zwischen dessen langen Beinen und verhielt sich anschließend so, als hätte es jemand ausgeschaltet.
   Er konnte nicht ewig hier in diesem Tunnel bleiben. Karim wusste, dass er weitergehen sollte, denn irgendwo da draußen in dieser skurrilen Landschaft warteten Antworten auf ihn. Oder neue Fragen. Also brach er auf.
   Sein Fuß trat auf etwas Weiches, erschrocken hüpfte er einen Schritt zurück und blickte zu Boden. Sie war nicht viel größer als seine Handfläche, aus bunten Fetzen Stoff gemacht, und blickte ihn aus zwei viel zu großen Anzugknöpfen an, die man ihr ins Gesicht genäht hatte. Ihr Haar aus nachlässig beschnittenen Wollfäden wurde an beiden Seiten des kleinen Kopfes von einem schmuddeligen Bändchen zusammengehalten. Das Kittelchen, in dem sie steckte, war verstaubt und voller Flecken, stellenweise eingerissen und fadenscheinig. Karim ging in die Hocke, hob behutsam die kleine Puppe vom Boden auf, legte sie in seine Hand und wischte ihr mit einer hilflos zärtlichen Bewegung den Staub vom Kleid. Dann streifte er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schob den kleinen Schuh, der lose an einem Fuß hing, an seinen Platz zurück.
   Minutenlang stand er da, betrachtete sein Fundstück und spürte, wie eine Welle der Zuneigung zu diesem kleinen Ding in ihm wuchs. Es war alleine, vergessen und ohne jemanden, der auf es achtete. Wem immer es gehört hatte, war jetzt weg, hatte es zurückgelassen in einer Welt, die so viel größer und unbegreiflicher war als es selber. Mit einem tiefen Seufzer drückte er das kleine Stoffkind an seine Brust und legte schützend seine Hand darüber.
   Schritt um Schritt schob er sich, die Puppe fest an sich gepresst, in die Halle vorwärts und bestaunte die Berge von Unrat, die dort aufgeschichtet lagen. Je näher er den Stapel aus willkürlich zusammengewürfelten Gegenständen kam, desto deutlicher wurde, dass es sich dabei nicht um herkömmlichen Müll handelte. Er achtete darauf, nicht mit den Beinen eines der umherstampfenden Wesen zu kollidieren, und trat näher an einen Haufen heran. Jetzt, nahe den arbeitenden Giganten, hörte er ein Brummen, halb mechanisch, halb organisch, ein Gluckern und Klicken, das von den weit über ihm schwankenden Suchern zu ihm herunter drang.
   Zögernd streckte Karim seine Hand aus, um einen der Gegenstände aufzuheben. Eine kleine bunte Schachtel aus Zellulose, nicht größer als seine Hand und federleicht. Sie war geöffnet und leer. An sich zeichnete sie sich durch nichts Besonderes aus, weder Ornamente noch Arabesken waren auf ihren Flächen zu sehen, sondern Abbilder von Menschen mit langen, roten Haaren, vollen Lippen, geschwungenen Wimpern und lachenden Mündern. Dennoch offenbarte die Schachtel Ungeheuerliches. 15 Zentimeter Blasphemie lagen in seiner Hand und brannten die Bezeichnung „Henna“ in sein Gewissen ein. Die Gesichter auf der Schachtel waren nicht männlich. Wieder diese weichen, sinnlichen Wölbungen - Wölbungen überall! Karim schleuderte die Schachtel auf den Stapel zurück. Ein durchscheinender Arm schwebte von oben herab, griff mit seinen vier Fingern nach ihr und hob sie nach oben, um sie zu untersuchen.
   Karim sah sich nach anderen Schätzen um und fand einen kleinen Stoffbeutel, aus dem einige seltsame Dinge ragten. Schnell beugte er sich vor und schnappte ihn sich. Die Oberfläche des Beutels fühlte sich weich und doch rau an, fast wie Fell; sein Schwarz schimmerte blau, je nach dem, in welche Richtung man das Fell strich. Zusammengehalten wurde er mit einer dünnen, gedrehten Kordel. Er schob die Puppe unter eine seiner Achseln, zog vorsichtig die Schnur auseinander und riskierte einen Blick ins Innere. Das, was er dort sah, erinnerte ihn schmerzlich an die Antiquität, die nun wohl für immer im Zentralarchiv liegen würde: der „Bleistift“, den Soli ihm geschenkt hatte. Im Beutel steckten gleich mehrere von diesen Stiften. Als er einen davon herauszog, merkte er jedoch sofort, dass sie anders waren als der, den er besaß. Die Mine dieses Stiftes hinterließ einen dicken, cremigen schwarzen Strich auf seinem Handrücken. Ein anderer Stift markierte ihn mit einem stechend blauen Streifen. In rascher Folge fügte er noch grün und braun hinzu. Ratlos betrachtete er die nutzlosen Fundstücke. Mit ihnen konnte man sicherlich nicht zeichnen, dafür war ihr Inhalt viel zu weich. Wofür waren sie gedacht?
   Als Nächstes zog er ein merkwürdig geformtes Etui aus dem Beutel. Es lag weich und angenehm in seiner Hand und das, obschon es aus Metall gefertigt war und golden schimmerte. Binnen weniger Momente hatte es die Temperatur seiner Handfläche angenommen und schmiegte sich dort an, als wäre es genau für diesen Ort geschaffen worden. Karim drehte seine geöffnete Hand und betrachtete es von allen Seiten. So eine Form hatte er noch nie gesehen! Keine Kante, keine Ecke, an der man sich schmerzhaft stoßen konnte. Er könnte dieses Ding in seine Hosentasche stecken, ohne Sorge zu haben, sich daran verletzen zu können: Es war ein kleines Wunder! Er bemerkte ein winziges Häkchen und berührte es sacht mit seinem Fingernagel.
   Wie zwei Teile einer Muschel klappte das Etui auf, und Karim hätte es vor Schreck beinahe fallen lassen. Ein kleiner Spiegel fing das gleißende Licht der Deckenlampen auf der einen Seite ein, ihr gegenüber ruhte ein gedrungener Pinsel und ein winziges Depot mit feinstem Staub in der Farbe des Wüstensandes. Das, was ihn aber am meisten erschreckte, war die Musik, die aus diesem geheimnisvollen Ding plötzlich erklang. Die Melodie klang süß und schwer. Über sie legte sich eine Stimme, klar wie feinstes Glas, und sang einen ihm unbekannten Text: „… Quand il me prend dans ses bras / Il me parle tout bas / je vois la vie en rose …“ Fasziniert starrte Karim auf seinen Schatz und versuchte zu begreifen, was er da gerade hörte. Diese Stimme, sie war anders, ihr fehlte das herbe, dunkle Element einer Männerstimme, und auch der Gesang eines Kindes, der noch hell und rein klang, konnte mit dieser süßen Kostbarkeit nicht mithalten.
   Für einen Moment vergaß er alles um sich herum, die unbekannte Melodie trug ihn fort, ließ alle Angst und Sorge von ihm abfallen und füllte stattdessen sein Herz mit Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit. Die Melodie legte sich über das Klicken, Surren und Brummen des Traumreiches und sandte ihm die wärmenden Strahlen einer aufgehenden Sonne, die Erinnerungen an friedliche Momente, in denen er Arm in Arm mit Soli am Rande der Stadt gestanden und die Mischung aus Nachtkühle und anbrechendem Morgen genossen hatte.
   Reglos stand er wohltuende Minuten mit geschlossenen Augen im Anderswo, da spürte er eine vorsichtige Berührung an seiner Hand, und die Musik verstummte. Einer der Greifarme hatte das singende Goldetui behutsam aus seiner Hand genommen, und hielt es jetzt in den violetten Strahl, der aus seinem Körper drang. Traurig blickte Karim ihm hinterher und musste mit ansehen, wie es in rasendem Tempo an einer der Wände hinauftransportiert wurde und ihren Platz irgendwo in den seitlichen Glasvitrinen einnahm.
   Ein Archiv! Seine Augen wurden groß, als ihn mit einem Mal diese Erkenntnis traf. Plötzlich verstand er, was hier geschah, was er beobachtete. Er dachte an seine eigenen Recherchen über Dinge, die es in der Vergangenheit gegeben hatte und von denen heute nur noch Erinnerungen existierten. Nie war ihm der Gedanke gekommen, dass diese Gegenstände irgendwer irgendwann einmal in das Archiv hätte aufnehmen müssen. Er wunderte sich selber über die Oberflächlichkeit, mit der er seine Suche nach Antworten betrieben und nie darüber nachgedacht hatte, wer all die Informationen zusammentrug, die er so selbstverständlich nutzte.
   Alle Angst fiel mit einem Schlag von ihm ab, und staunend betrachtete er nun die Arbeit der Suchgreifer, die ihm jetzt nicht mehr bedrohlich, sondern ungeheuer wichtig und beeindruckend vorkamen. Hier unten stapelten sich offenbar Geheimnisse, die noch niemand entschlüsselt hatte, und auch die Antwort auf die Frage nach den „gewölbten Wesen“ lagerte hier, dessen war er sich sicher. Die kleine Schachtel und das goldene Etui waren nicht für Männer geschaffen worden, also waren hier noch mehr Spuren dieser Wesen zu finden. Das hier war der Ort, den er gesucht hatte!
   Fieberhaft begann er, den vor ihm aufgetürmten Stapel nach neuen Entdeckungen zu untersuchen und kam sich vor wie ein Schatzsucher, der im Boden nach verschollenen Kostbarkeiten grub. Er kippte die „Stifte“ auf den Boden, steckte sein hilfloses Pflegekind in den Beutel und band die Kordel am Bund seiner Hose fest. Schon bald förderte er mehr von diesen Absonderlichkeiten zutage. Mit bunten Metallstücken bestickte Schals, kalt glänzende Apparaturen, die ihn an medizinisches Gerät erinnerten, mit Glitzersteinen verzierte Kämme, die so klein waren, dass man sich unmöglich damit kämmen konnte, Beutel und Taschen, so anders als die Behälter, die er kannte, und alles strahlte in bunten Farben, war verziert, verspielt und mit Ornamenten bestückt und mit Glitzer und Verzierungen übersät. Seine Augen konnten sich nicht sattsehen an der Fülle unterschiedlicher Formen und Farben. Wie ein Blumenbeet lagerte er seine Schätze vor sich auf dem Boden, und doch wusste er von keinem seiner Fundstücke, wozu es taugte und wem es gehört hatte.
   Er wollte endlos an dieser Stelle bleiben. Er würde sich in die Reihe der schreitenden Greifer einsortieren und seine Tage damit füllen, zu entdecken, zu bewerten und zu archivieren, jeden Tag aufs Neue, fasziniert von der Vielfalt, die hier unten lagerte und die von Leben ohne Zahl erzählte. Er würde alles für die Nachwelt sichern!
   Er zwang sich, aufzustehen und den kleinen Haufen seiner Schätze hinter sich zu lassen. Lediglich einen der kleinen Kämme steckte er zu der Puppe in den Stoffbeutel an seiner Hose. Vorbei an weiteren Bergen voller Schätze machte er sich auf den Weg, weiter in dieses Lager vergessener Seelen. Er wollte mehr sehen, neue Schatzkammern öffnen, sich ein Bild machen von der Unzahl an Material, das hier lagerte. Er streifte vorbei an mannshohen Gemälden, die achtlos an Kisten lehnten, an kleinen Gestellen aus dünnen Drahtrohren, an denen jeweils drei Scheiben, geformt wie die Sonne, angebracht waren, sowie ein buntes Wimpelchen an einem Ende. Der lange Marsch ließ seinen Atem schneller gehen. Sein Körper sehnte sich danach, etwas zu trinken. Immer wieder musste er für einen Moment stehen bleiben, die Arme auf seinen Knien abstützen und vornübergebeugt nach Luft schnappen. Und immer wieder zwang er sich, weiterzugehen, noch eine Kurve zu umgehen, noch einen Hügel zu erklimmen, noch mehr zu sehen, noch mehr zu finden und zu begreifen, wer diese Wesen waren, deren Hinterlassenschaften hier in so unglaublicher Anzahl sorgsam aufgehoben und gesichert wurden.
   Kurz blieb er vor einem weiteren Gemälde stehen, das mehrere der Wesen mit Wölbungen zeigte, umringt von einer Schar Kinder, die unterschiedlicher nicht hätten sein konnten. Einige von ihnen hatten Ähnlichkeit mit seiner Puppe.
   Noch in der Betrachtung dieses kleinen Fleckens Beschaulichkeit und Frieden gefangen, bemerkte Karim, dass nicht weit voraus ein Gebäude mitten in der Landschaft stand. Die raue Holzfassade hätte es beinahe mit den Stapeln in seiner Umgebung verschmelzen lassen. Es wirkte irgendwie fehl am Platz, zu lebendig in dieser Umgebung toter Erinnerungen, aber aus den großen Fenstern in seinem Erdgeschoss fiel goldenes Licht in die grelle Helligkeit der Umgebung. Verwundert hielt Karim darauf zu, und ein wahnsinniger Hoffnungsfunken glomm in seinem Inneren auf. Vielleicht gab es hier unten ja doch jemanden, der ihm helfen konnte, mehr über diese Landschaft zu erfahren. Und wenn es ein Mensch wäre, hätte der bestimmt auch etwas zu trinken. Sein Durst erschien ihm plötzlich so unerträglich wie nie zuvor.
   Er hastete auf das Gebäude zu. Es ging ihm offenbar schlechter, als ihm klar gewesen war, denn je mehr er sich dem kleinen, warm leuchtenden Haus näherte, desto deutlicher nahm er einen ihn vollständig ausfüllenden, verführerischen und unwiderstehlichen Geruch wahr. Er halluzinierte den Duft frischen Gebäcks, sah im Geiste Berge von süßen Leckereien, Torten mit Zimt und Kardamom, wie es sie nur bei Beschneidungsfesten zu kosten gab und vor allem sein Lieblingsgebäck, Kaab dial Ghzal, Gazellenhörnchen, die es im Ramadan nach Einbruch der Dunkelheit in Massen gab, auf Tellern zu hohen Türmen aufgeschichtet.
   Er glaubte, noch immer zu halluzinieren, als er hinter den bodentiefen Scheiben des kleinen Holzhauses genau das zu sehen bekam. Sein Magen rebellierte, knurrte. Er wäre am liebsten durch die Scheibe gesprungen, hinein in diesen Zuckerberg, den sein ausgedörrter Geist ihm hier bescherte. Karim war ein Kind der Stadt, aber er war auch ein Sohn Arabiens, also wusste er um die trügerische Gefahr einer Fata Morgana, und offenbar erlebte er in diesem Moment eine solche. Vorsichtig berührte er die Scheibe, die ihn von den Köstlichkeiten trennte. Sie war massiv, er fühlte das kühle Glatt des Glases, und seine Augenbrauen hoben sich verwundert.
   Eine Türglocke sandte ihr helles Klingeln über das trostlose Gelände hinter ihm und lockte ihn hinein in die Melange aus goldener Wärme und den Duft von puderzuckerbestäubten Leckereien. Er leckte sich unwillkürlich mit der Zunge über die trockenen Lippen, als er die Türe hinter sich schloss. Im Raum vor ihm standen überall Tische und Stühle verteilt. Das Interieur ähnelte dem eines Cafés im algerischen Viertel, in das er hin und wieder mit Soli ging. Die Tische waren eingedeckt mit weißen Deckchen, und in ihrer Mitte zitterten kleine Blumengebinde im Windzug der sich schließenden Tür. Sprachlos blickte Karim auf das goldene Wunder inmitten all des Verfalls und konnte seinen Blick nicht von der üppigen Kuchentheke wenden. Ganz leise im Hintergrund erklang wieder dieses Lied: „… Quand il me prend dans ses bras / Il me parle tout bas / je vois la vie en rose …“
   Eine Bewegung, nur aus dem Augenwinkel gesehen, ließ ihn herumfahren. Die Person saß ganz in der Ecke und hatte ihm den Rücken zugewandt. Ihre langen, blonden Haare fielen wie ein goldener Wasserfall über die Rückenlehne des Stuhls. Der schlanke Hals war nur zu erahnen. Sie trug ein grünes Gewand, das bis zum Boden reichte und so geschnitten war, dass es die sanften Rundungen ihres Körpers betonte. Feingliedrige Arme steckten in üppig besticktem Stoff, der sich in vielen Bahnen übereinander an ihren Körper schmiegte. Die weiße, fast transparente Haut ihrer Arme war von winzigen Härchen überzogen, die im Gegenlicht golden schimmerten. Der göttliche Arm hob sich mit träger Gelassenheit, und zwischen seinen Fingern hing schlaff ein kleines, weißes Tuch.
   Karim stockte der Atem. Hitzewellen durchströmten seinen Körper, als er sah, dass das Tuch nun langsam, wie in Zeitlupe, zu Boden fiel, ohne dass das faszinierende Wesen sich anschickte, es aufzuheben oder sich umzudrehen. Langsam einen Fuß vor den anderen setzend bewegte sich Karim auf die Pracht der goldenen Haare zu, den Blick starr auf das zu Boden gefallene Taschentuch gerichtet … da wurde sein Weg jäh von einer Berührung unterbrochen. Ein Körper schob sich zwischen ihn und das Tuch und ließ ihn rückwärts stolpern.
   Vor ihm stand BEY!
   Für einen Moment hatte Karim das Gefühl, dass sein Gehirn von einer Lähmung heimgesucht wurde. Das, was er sah, war unmöglich! BEY hatte sich wenige Stunden zuvor vor seinen Augen getötet, und er, Karim, hatte um ihn getrauert. Und jetzt war er wieder da, lebendig und … naja, vielleicht nicht ganz so lebendig. Mit offenem Mund starrte er seinen Mentor an, in dessen Schläfe das Einschussloch klaffte. Feine Blutsfäden rannen daraus hervor und strömten die rechte Gesichtshälfte herunter. Wortlos hielt BEY ihm ein Tablett hin, auf dem eine duftende Tasse Kaffee, einer der verführerischen Gazellenhörnchen und ein Blatt mit Schriftzeichen lagen. Verständnislos blickte Karim seinen alten Freund an. Sein Mund war zu trocken, um eine Frage zu stellen, und sein Verstand hatte noch nicht eingesehen, dass es tatsächlich BEY war, der vor ihm stand. Mechanisch griff er nach dem Blatt mit den Schriftzeichen und las:

 

Kaab Dial Ghzal

Zutaten Teig:

150 g Mehl

1 Eiweiß

etwas Butter

etwas Orangenblütenwasser


Zutaten Füllung:

500 g gemahlene Mandeln

250 g Zucker

abgeriebene Zitronenschale oder 1 Päckchen Zitronenzucker

1 Eßl. Butter

50 ml Orangenblütenwasser

1 Eigelb

Prise Gummi arabicum




10

Wie versteinert starrte Karim die Zeilen vor sich an. Er hatte etwas Großes erwartet, gehofft, dass er am Ziel seiner Suche angekommen wäre - nun hielt er in seinen Händen ein Backrezept. Er schüttelte den Kopf und sah BEY an, der ihm etwas gequält lächelnd mit einer ausladenden Bewegung den Weg zu einem der Tische wies. Langsam, den Blick nicht von seinem Mentor ablassend, bewegte sich Karim darauf zu und ließ sich auf einen der dort stehenden Stühle sinken. Der Anblick von BEY jagte ihm einen Schauer schlechten Gewissens über den Rücken. Er stand vor ihm, unbewegt, und doch so ganz anders, als er ihn kannte. Das Blut sickerte aus seiner Schläfe in den Kragen seiner Kleidung, seine Haut hatte einen erschöpften Grauton angenommen, und seine Bewegungen waren mühsam, als er sich ihm gegenüber am Tisch niedersetzte. BEYs Atem ging schwer. Mühevoll schob er das Tablett mit den Köstlichkeiten über den Tisch und forderte Karim mit einer schwachen Geste auf, sich zu bedienen.
   Der Kaffee floss wie Magma durch seine Kehle, viel zu heiß, um getrunken zu werden, aber Karim war so durstig, dass ihm dieser Schmerz geradezu wohlig vorkam. Er griff nach einem der Gazellenhörnchen auf dem Tablett und schloss die Augen, als sich dessen süße Staubigkeit mit dem heißen Bitter des Kaffees vermischte.
   „Wie schmeckt es dir?“ wollte BEY wissen. Seine Stimme klang kraftlos, und die Worte kamen schleppend.
   Karim nickte dankbar. „Wunderbar. O Allah, ich war so durstig und hungrig.“ Er nahm einen weiteren Schluck Kaffee, um die Reste des süßen Gebäcks aus seinem Mund zu spülen. Dann hielt er inne. Schlagartig wurde ihm bewusst, wie unwirklich diese Situation gerade war. Sein Mentor, der eigentlich hätte tot sein müssen, saß ihm hier gegenüber, offenkundig nicht in bester Verfassung, aber durchaus in der Lage, mit ihm zu sprechen. Wie war er hier hingekommen? Woher hatte er gewusst, dass er ihn, Karim, hier antreffen würde?
   Er öffnete den Mund, um eine Kaskade von Fragen abzuschießen, aber BEY hob abwehrend die Hand. „Mein lieber Junge“, begann er schwach. „Was du gerade gegessen hast, war das Gebäck. Ich habe dir auch das Rezept dafür gegeben. Wärst du ein Bäcker, was würdest du in deiner Ladenvitrine ausstellen, das Rezept oder das Gebäck?“
   Karim kräuselte die Stirn. Was sollte das? „Natürlich die Backwaren, aber warum fragst du so einen Unsinn? Was ist mit dir los? Ich bin so froh, dich zu sehen, BEY, ich dachte ...“
   BEY unterbrach ihn. „Du hast recht, kein Bäcker, der bei Verstand ist, würde das Backrezept in seine Auslage legen, denn wer sollte sich beim Anblick eines beschriebenen Stück Papiers schon für seine Waren interessieren?“
   Karim nickte zustimmend, sein Hals war zugeschnürt von Hunderten Fragen, die ihm in der Kehle steckten und nach draußen drängten.
   „Anderseits gehören Rezept und Kuchen untrennbar zusammen“, fuhr BEY fort. „Da wirst du mir zustimmen, nicht wahr? Den Kuchen wird es ohne das Rezept nicht geben und ohne den Kuchen ergibt das Rezept keinen Sinn, verliert seine Daseinsberechtigung. Sie sind miteinander schicksalhaft verbunden, bedingen einander. Doch ist es allein der fertige Kuchen, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Einmal gebacken, beginnt er seine Umwelt zu verändern. Es kann sein, dass Leute Schlange nach diesem Kuchen stehen, weil er so köstlich schmeckt, dass er sogar knapp wird, weil so viele ihn essen wollen. Ja, es kann durchaus sein, dass man im Lauf der Zeit das Rezept ein wenig umändert, weil eine bestimmte Geschmackskomponente darin besser bei der Kundschaft ankommt. Vereinfacht gesagt, das Vorhandensein des Kuchens stellt das Rezept in den Schatten, bestimmt plötzlich die Spielregeln in der Bäckerei, modifiziert sie sogar. Und dabei beruht seine Herstellung auf eine nüchterne Abfolge von Informationen, dessen Urheber nicht im Mindesten geahnt haben können, was er später bewirken würde. Resümee: Ein Kuchen ist ein Kuchen und nicht dessen Rezept. Denn das Rezept ist nicht in der Lage, irgendeine Veränderung auszulösen. Allein dessen Materialisation ist imstande dazu. So verhält es sich auch mit den Genen von Lebewesen und ihrer fassbaren Existenz.“
   BEY blickte nachdenklich auf den Stapel Backwaren, der sich vor ihm auftürmte, und einen unwiderstehlichen Geruch verströmte. „Ich habe viel über unsere Gesellschaft nachgedacht, Karim“, meinte er nun nachdenklicher als zuvor. Seine Stimme klang brüchig, und es schien ihm Mühe zu bereiten, weiterzusprechen. Der Fleck an seinem Kragen breitete sich stetig aus, und Karim fragte sich besorgt, wie lange sein Freund noch durchhalten würde. Warum ließ er nicht erst seine Wunde versorgen? Dann wurde ihm bewusst, dass vor ihm ja kein Mensch saß, sondern lediglich eine Schimäre, für ihn vielleicht ein Mensch, ein Freund und Meister, aber in Wirklichkeit nur der verlängerte Arm eines allwissenden Geistes im Hintergrund. BEY war für ihn so real, so wirklich wie jeder andere Mensch auf der Welt, aber er war es eben nicht, denn der Mann vor ihm hatte ein Loch im Kopf und philosophierte. Es war verwirrend und faszinierend zugleich.
   „Unsere Gesellschaft basiert auf dem Islam, den wir inzwischen Slam nennen. Der Koran ist Fundament, Basis und Stütze unseres Lebens. Mohammed, Friede sei mit ihm, hat uns Richtung und Ausblick gegeben, ohne seine Worte würde Chaos herrschen.“
   „Friede sei mit ihm“, antwortete Karim traditionsgemäß.
   „Du kannst dir vorstellen, wie schwer es für mich ist zuzugeben, dass an dem Konzept, wie wir leben, etwas nicht stimmt. Alles scheint so perfekt, aber es ist nur das Rezept, das wir leben, nicht der Kuchen“. Er blickte Karim an, und der sah nur Trauer in den blasser werdenden Zügen seines Freundes.
   „Ich verstehe nicht“, sagte er.
   „Muslimische Gesellschaften akzeptieren nur das Rezept, nicht den Kuchen und seine vielfältigen und unberechenbaren Auswirkungen auf das Verhalten der Kunden in einer Bäckerei“, orakelte BEY. Karim runzelte wieder die Stirn. Er konnte BEY nicht folgen.
   „Es ist sehr lange her, da haben deine männlichen Vorfahren entschieden, dass es unmöglich sei, das Rezept und den Kuchen miteinander in Einklang zu bringen.“ Beim Blick in Karims verständnisloses Gesicht holte er tief Atem und sank dann ein wenig in sich zusammen. „Wie du schon bemerkt haben dürftest, gibt es außer Männern noch eine andere Art Menschen, ein anderes Geschlecht. Du bist ein Mann, das andere Geschlecht nennt man Frau. Der Koran hat ein Rezept geliefert, wie Männer und Frauen zusammenleben können, und dieses Rezept wurde von deinen Vorvätern auch anerkannt. Als aber der reale Kuchen vor ihnen stand, mussten sie feststellen, dass er eine Eigendynamik entwickelte, der letztlich nicht nur sein eigenes, sondern auch das Rezept der Männer veränderte - und die Spielregeln zwischen den Geschlechtern.“
   „Wie das?“ entfuhr es Karim.
   „Frauen sind menschliche Wesen, mein Freund, und sie sind nicht nur einfach andere Männer, ihnen wohnt ein besonderes Wunder inne. Sie gebären Kinder.“
   BEYs Worte sickerten in seinen Kopf und füllten sein Denken aus. Der Schleier aus Zweifeln hob sich vor seinem Auge, und mit einem Mal sah er klar. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er vorbei an BEY zu dem Wesen, der Frau, die immer noch mit ihm zugedrehten Rücken in einer Ecke des Cafés saß, reglos, abwartend. Frauen waren also die Antwort auf die Frage, woher die Söhne stammten, die ihnen der Allmächtige sandte! Vielleicht sogar die Frauen selbst. Frauen waren die vergessenen Seelen, deren Erbe sich in ihm bemerkbar gemacht, ihm diese verstörenden Träume geschickt und ihn auf die abenteuerliche Suche nach ihren Hinterlassenschaften angesetzt hatte.
   „Du musst wissen, Karim, dass die Fortpflanzung eine heikle Angelegenheit ist“, murmelte BEY und warf einen kurzen Blick hinter sich. „Fortpflanzung unterliegt strengen Gesetzmäßigkeiten. Der Kuchen sucht sich den Bäcker sozusagen. Und nicht allein das, er will über das Rezept bestimmen! Nur einmal im Monat sind Frauen empfängnisbereit, dann, und nur dann können sie ein Kind empfangen von einem Mann, den sie auswählen. Siehst du den Konflikt, der darin liegt? Wo kommen wir hin, wenn der Kuchen den Bäcker, der ihn herstellt, und sein eigenes Rezept auswählen darf? Frauen wählen den Erzeuger ihrer Nachkommen nach vollkommen anderen Kriterien aus als die, die deine Vorväter für angebracht hielten. Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit, ja, sogar lächerliche Äußerlichkeiten, doch vor allem Liebe spielten eine große Rolle in ihrer Auswahl. Das war eine Eigenmächtigkeit, die ihnen nicht gestattet werden konnte.“
   Karim keuchte. Vor seinem inneren Auge erschienen Frauen, die sich ihre Partner wie auf einem Markt auswählten, die ihnen in die Wangen kniffen und die Lippen hilflos angebundener Männer hochzogen, wie es beim Handel üblich war, um die Qualität zu überprüfen.
   „Es gab in dieser Zeit Gewinner und Verlierer dieser Auswahl. Manch ein Mann konnte sich niemals fortpflanzen, so wie es heute auch noch ist. Nur trifft diese Entscheidung heutzutage nicht eine Frau, sondern jemand, der viel viel weiser ist. Früher hingegen führte die Auswahl der Frauen zu einem schrecklichen Kampf unter den Männern. Sie buhlten um ihre Gunst, übertrafen sich gegenseitig mit ihren Leistungen. Viele der Errungenschaften, die uns heute noch gute Dienste leisten, sind aus diesem Konkurrenzkampf entstanden“.
   „Aber waren die Männer damals nicht willenlose Opfer dieser unbarmherzigen Auswahl?“ drängte Karim.
   „Nein, Opfer waren sie nie. Sie wollten den Frauen gefallen, sich als bester Erzeuger ihrer Kinder präsentieren, selbst wenn sie noch gar nicht an Familie und Kinder dachten. Durch ihre Leistungen wollten sie auf sich aufmerksam machen, denn das Zusammenleben mit einer Frau hat neben dem Akt der Befruchtung durchaus seine angenehmen Seiten“. Ein leichtes Schmunzeln schlich sich auf das blasse Gesicht von BEY, und Karim dachte sofort an die Bilder der sich windenden Leiber, auf die er so heftig reagiert hatte. Es hatte sich nicht falsch angefühlt, und es war offensichtlich auch nicht falsch, wie er zu begreifen begann.
   „Stell dir einfach vor, du müsstest, um die Zuneigung von Soli zu erlangen, besonders reich sein, etwas erfinden oder etwas anderes Außergewöhnliches beweisen, damit du seiner würdig bist. So ähnlich hat es sich damals abgespielt. Der Kuchen suchte sich den Bäcker und ein Mitspracherecht beim Rezept. Ein unhaltbarer Zustand für deine Vorfahren. Daher beschlossen sie, die Situation von Grund auf zu ändern. Sie beschlossen, dass zukünftig wieder der Bäcker entscheidet, nach welchem Rezept der Kuchen gebacken wird. Sie nahmen den Frauen die Entscheidung ab. Und hier kommt die Religion ins Spiel“.
   „Aber wie kommst du darauf?“ fragte Karim. „Im Koran steht kein Wort von Frauen, nicht ein einziges Wort. BEY, glaub mir, ich kenne das heilige Buch in- und auswendig! Wenn der Prophet, Friede sei mit ihm, etwas dazu gesagt hätte, stünde das …“ Als ihm die Bedeutung dessen, was er soeben unbewusst mit seinen Worten ausgesprochen hatte, klar wurde, erfasste ihn ein Schwindel. Das Buch der Bücher, das Fundament von allem, was er kannte, war verändert worden? Bei diesem Gedanken wurde ihm schlecht.
   BEY blickte ihn wissend an, geradeso, als durchschaue er, was sich gerade in seinem Inneren tat, und lächelte traurig. „Du ahnst schon, was jetzt kommt, ich sehe es dir an. Ja, es ist so, dass deine männlichen Vorfahren begannen, die Worte des Propheten, Friede sei mit ihm, anders zu interpretieren und daraus ihren Anspruch abzuleiten, dass sie und nicht die Frauen zu entscheiden hätten, wie die Spielregeln der Sexualität auszuschauen hätten. Sie extrahierten aus dem Koran Verbote und Beschränkungen, die es den Frauen nach und nach unmöglich machten, eine freie Wahl nach ihrem Willen und ihren Präferenzen zu treffen. Sie waren zunehmend gebunden an Vorschriften, die aus dem heiligen Buch stammten. Es gab aber auch im ursprünglichen Text wunderschöne Stellen, die mittlerweile schon lange vergessen sind und welche die eigentliche Absicht mehr als deutlich machen.“
   Er richtete sich ein wenig auf und rezitierte mit getragener Stimme: „‘Wissen zu erwerben ist Pflicht für jeden Muslim, Mann sowohl wie Frau, und sei es in China.‘ Das sind die Worte, so wie sie einst im Koran zu finden waren. Selbst unser Prophet lebte mit Frauen zusammen. Eine davon war sogar Geschäftsfrau, und sie war nicht wenig erfolgreich, das kann ich dir sagen“. Er schien jetzt in die Vergangenheit einzutauchen. „Cha-Didscha war die erste Frau von Mohammed. Sie war eine sehr eigenständige, erfolgreiche Frau und verfügte über ein beträchtliches Vermögen. Ihre Karawanen zogen kreuz und quer durch die damalige Welt, und sie agierte frei und unbeeinflusst von ihrem Mann. Kannst du dir vorstellen, dass die Vorstellung von einer solchen Frau deinen Vätern furchtbare Angst eingejagt hat? Sie mussten verhindern, dass der Kuchen begann, das Rezept zu verändern, und es gelang ihnen - mit Hilfe der Religion“.
   Karim konnte es nicht fassen. Das Gebäude seiner Existenz bröckelte spürbar unter ihm und schwankte, aber er wollte mehr, wollte erfahren, was sich damals abgespielt hatte. „Und was geschah dann?“
   „Deine Vorväter hielten ihre Idee für gut und führten sie aus. Schritt für Schritt, Generation für Generation schränkten sie die Stellung der Frau ein, beschnitten sie in ihrer Entscheidungsfreiheit bezüglich der sexuellen Selektion und wiederholten so oft, dass dies der Wille des Allmächtigen sei, dass sie irgendwann sogar selber daran glaubten.“
   Erschöpft ließ sich BEY zurücksinken. „Aber sie hatten in ihrer Verblendung nicht damit gerechnet, dass Allah, unser Schöpfer und Erhalter, seine Pläne nicht ohne Grund macht. Seine Weisheit ist grenzenlos, und kein Mensch darf sich anmaßen, seine Entscheidungen infrage zu stellen. Die Einmischung deiner Vorfahren hatte schreckliche Konsequenzen. Anstatt junge, dynamische und kluge Männer zu den Erzeugern einer Generation gesunder, aufstrebender Nachkommen zu machen, paarten sich nun alternde, reiche und einflussreiche Männer mit den Frauen und brachten das Gefüge, das der Herr erschaffen hatte, ins Wanken. Übrig blieben unzählige junge Männer, die sich, der Chance auf das Leben mit einer Frau beraubt, in sinnlose Beschäftigungen stürzten. Sie begannen, sich gegenseitig zu bekriegen, brachten Schmerz und Leid über die Welt, über ihre Mütter und, ja, auch über ihre Väter, die aber längst vergessen hatten, dass sie die Verursacher dieser Krankheit waren. Andere verschrieben sich ganz und gar der Religion, so wie sie damals bereits pervertiert war, und zementierten den männlichen Anspruch mehr und mehr, genau den Anspruch, der sie erst in diese ausweglose Situation gebracht hatte“.
   „Stopp!“ Karim hielt sich mit beiden Händen an der Kante des Tisches fest und schnappte nach Luft. Das hier war viel zu viel für einen einfachen Mann wie ihn. Die Bekenntnisse von BEY ließen ihn schwanken. Er suchte Halt, suchte in den fallenden und zerschellenden Trümmern seines Weltbildes nach etwas, woran er sich klammern konnte und das ihm Sicherheit gab. Er suchte nach Hoffnung, so etwas wie einen Lichtblick in diesem schrecklichen Dunkel. BEY sprach die Wahrheit. Er hatte es schon immer gewusst. Keine Sekunde bezweifelte er, dass sich alles genau so wie von seinem Freund beschrieben abgespielt hatte, und doch konnte, wollte er es nicht glauben. Sein ganzes Leben, die ganze Welt war eine einzige Lüge gewesen! Er schlug die Hände vor sein Gesicht und versuchte, die Tränen, die ihm brennend in die Augen stiegen, zu verbergen. BEY saß ihm ruhig gegenüber und beobachtete ihn regungslos.
   „Wo sind sie?“ brach es aus Karim schließlich heraus, und er wusste, dass die Antwort auf diese Frage jetzt dem sprichwörtlichen Strohhalm glich, der ihn vor dem Ertrinken retten mochte.
   „Wer?“ BEY schien plötzlich abgelenkt, fahrig und unaufmerksam. Er blickte sich mehrmals suchend im Raum um.
   „Wo sind die Frauen jetzt, wenn es sie noch gibt?“ schrie Karim ihn an.
   BEY blickte ihn aus unendlich traurigen Augen an und öffnete den Mund. „Sie sind ...“,  begann er, dann wurde er von einer Bewegung unterbrochen.
   Die Frau im hinteren Teil des Cafés schob quietschend ihren Stuhl zurück und drehte sich langsam um. Ihre zarte Hand hielt die Stuhllehne, sie schüttelte die blonde Mähne und … ein stählernes, zähnefletschendes Hundegesicht kam zum Vorschein, das Karim nur zu gut aus der Katakombe kannte! Speichelfäden tropften an den vorspringenden Silberzähnen hinunter, seine glänzenden Lefzen verzogen sich zu einer furchteinflößenden Grimasse, und aus seiner Kehle erklang das wohlbekannte tiefe, blecherne Knurren. Das Biest sprang auf die Beine und stieß dabei den Stuhl um.
   Karim blickte hilfesuchend zu BEY, doch der erhob sich langsam von seinem Sitz und wandte sich vollends dem Ungetüm zu. Das grüne, kunstvoll genähte und mit Ornamenten verzierte Kleid fiel von dem Ding ab, als es zum Sprung ansetzte. Karim wich noch mehr zurück, riss sich herum und suchte mit panischem Blick nach einem Ausweg. Aber das Ding hatte nicht ihn im Visier, sondern starrte unverwandt auf BEY, der reglos in der Mitte des Raumes stand und keine Anstalten machte, zu fliehen.
   In der nächsten Sekunde hatte die Monströsität abgehoben und flog scheinbar schwerelos durch den Raum BEY entgegen, der nun seine Arme öffnete, um seinen Vernichter zu empfangen. Die wirbelnden Scherenglieder und dolchartigen Hauer bohrten sich tief in den Alten hinein. Fetzen seiner Kleidung flogen durch den Raum, und ein Kreischen war aus der wild wirbelnden Kugel zu hören, die sich inzwischen auf dem zu Boden Gestürzten wälzte.
   Karim stand regungslos da, unfähig, seinem Freund zu helfen, gelähmt vor Angst. Er wusste, hinter ihm war die Tür. Wenn er sich jetzt von seiner Lähmung lösen würde, könnte ihm vielleicht die Flucht gelingen. Aber wohin? Draußen sortierten die Greifer und Sucher unablässig das Erbe der Frauen, die im Namen der Religion verschwunden waren, fort, an einen Ort, den BEY ihm möglicherweise genannt hätte, hätte er die Gelegenheit dazu gehabt. Die Hundebestie riss derweil knurrend am leblosen Körper seines Freundes, tobte sich obszön schmatzend durch das, was von ihm noch übrig war. Dann plötzlich hielt sie inne und hob ihren blutverschmierten Kopf, um Karim in die Augen zu starren.
   Es gab nichts, wohin er sich noch zurückziehen konnte. Er presste sich an die Theke, beide Hände auf das kalte Glas gelegt, und wartete auf sein Ende. Jetzt, im Angesicht seines eigenen Todes überfiel ihn eine eigentümliche Trauer. Er hatte keine Angst mehr, an ihre Stelle war nagende Enttäuschung getreten. So weit war er gekommen, so viel hatte er erfahren, und doch wusste er nichts. Nie würde er die Gelegenheit haben, das Geheimnis ganz aufzudecken, die endgültige Lösung des größten Rätsels der Menschheit würde ihm auf ewig verborgen bleiben und damit auch seinen Brüdern. Wie lange würde es dauern, bis wieder jemand hier herunter finden würde, beseelt und angeleitet von diffusen Bildern und Träumen? Wer würde jemals den Mut aufbringen, ins Unbekannte vorzustoßen?
   Karim roch den Atem der Bestie, als sie knurrend vor ihm anhielt. Es war der Geruch reinen schweren Metalls. Mit ihren rotglühenden Augen schien sie jeden Zentimeter von ihm abzutasten. Doch das Knurren erstarb allmählich, und ein jämmerliches, kehliges Jaulen erscholl aus ihrer Kehle, als sich ihre Gesichter wie zuletzt wieder beinahe berührten.
   In dem Moment zerbarst die Schaufensterscheibe des Ladens mit ohrenbetäubendem Scheppern in tausend Stücke, und hinein stürzte Karims Wirklichkeit gewordener Traum. Sie saß auf einem der spinnenbeinigen Pferde und trug ein langes Gewand in der Farbe des Nachthimmels. Um ihren Kopf war nachlässig ein Turban aus dünnem Gewebe gewunden. Die Formen ihres Körpers waren durch den dünnen Stoff leicht zu erkennen, und sie verströmte eine Mischung aus Sinnlichkeit und Wildheit, die sofort den gesamten Raum zu erfüllen schien. So unerschütterlich sicher, wie er wusste, dass auf den Tag stets die Nacht folgt, wusste Karim augenblicklich, dass es sich bei ihr um die geheimnisvolle Gestalt aus der Katakombe handelte.
   Mit heftigen Bewegungen brachte sie das tänzelnde Pferd zum Stehen, streckte ihre Hand in seine Richtung und schrie: „Spring auf, wenn du nach Wahrheit dürstest!“
   Ohne lange darüber nachzudenken, griff Karim nach ihrer Hand. Sie fühlte sich warm, weich und lebendig an. Kraftvoll hielt sie ihn, als er sich mit einem verzweifelten Sprung hinter sie auf das Pferd schwang. „Es wird uns folgen, es wird uns töten!“, rief er seiner Retterin zu, die das Pferd nun schnell wenden und durch das zerstörte Fenster nach draußen springen ließ.
   „Ja, ich würde mich auch vor Wut nicht mehr einkriegen, wenn man sich bei mir ständig im Artikel vertun und mich immer wieder ES nennen würde“, rief sie zurück, und Anstrengung war aus ihrer Stimme zu hören.
   „Ahnte ich doch, dass wieder ein Kerl dahinter steckt“, sagte Karim resigniert.
   „Irrtum. ES ist eine SIE!“ gab sie zurück.

 
Alle Rechte Akif Pirinçci und Jutta Schützdeller vorbehalten © Bonn 2012
Redaktion: Akif und Ursula Pirinçci
Cover: Ursula Pirinçci
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